Einkaufsfinanzierung im Handwerk: Wann sie sinnvoll ist – und wann Factoring die günstigere Alternative zur Materialvorfinanzierung sein kann.
Einkaufsfinanzierung im Handwerk: Wie sinnvoll ist sie heute noch?
Material vorfinanzieren ohne Bankkredit? Eine Einkaufsfinanzierung hilft, Projekte im Handwerk abzusichern – doch Factoring wird zur günstigeren Alternative.
Material einkaufen, bevor der Auftrag abgerechnet ist – das ist im Handwerk Alltag. Gerade bei größeren Projekten ist die Vorfinanzierung eine echte Herausforderung, denn Löhne, Material und Maschinen binden viel Kapital. Die Einkaufsfinanzierung schien über Jahre hinweg ein bewährtes Mittel zu sein, um diese Lücke zu schließen. Doch inzwischen gibt es zunehmend günstigere Alternativen.
Einkaufsfinanzierung bei SHK-Projekten: Damals sinnvoll, heute oft teuer
Ein SHK-Unternehmer mit rund 4,2 Millionen Euro Jahresumsatz nutzte regelmäßig die Einkaufsfinanzierung, um bei Großprojekten die erforderlichen Materialien frühzeitig zu sichern. Der Finanzierer zahlte direkt direkt an den Großhandel (Lieferanten), während er verlängerte Zahlungsziele erhielt – meist zu hohen Kosten.
Mittlerweile hat der GF umgedacht:
„Wir haben den Factor gewechselt und können jetzt sogar bis zu 30 % Anzahlungsrechnungen über das Factoring abbilden – und das zu deutlich besseren Konditionen. Dadurch sparen wir bei jedem größeren Auftrag nicht nur Zinsen, sondern gewinnen auch mehr finanziellen Spielraum“, so der Geschäftsführer.
Denn was früher mit Finetrading (anderer Namen für Einkaufsfinanzierung) teuer abgewickelt wurde, lässt sich heute oft eleganter über Factoring lösen – vorausgesetzt, der Factor erlaubt auch das Einbinden von Anzahlungsrechnungen. Diese Entwicklung macht die klassische Einkaufsfinanzierung für viele SHK-Betriebe überflüssig.
Finanzierungsberatung
Flexible Lösung für Maschinenbauer – wenn der Kontokorrent nicht reicht
Ein anderer Handwerksbetrieb aus dem Bereich Maschinen- und Anlagenbau mit ca. 2,8 Millionen Euro Jahresumsatz nutzt die Einkaufsfinanzierung punktuell – immer dann, wenn der Kontokorrentrahmen bei seiner Hausbank ausgeschöpft ist.
Gerade bei größeren Projekten mit hohem Materialeinsatz wäre ohne diese Zusatzfinanzierung keine Auftragsannahme möglich.
„Wenn eine Vorfinanzierung über 80.000 bis 100.000 € ansteht und die Bank abwinkt, hilft uns die Einkaufsfinanzierung aus der Klemme“, sagt der Inhaber. „Es ist nicht billig, aber wir können dadurch zuverlässig liefern – und behalten unsere Kunden.“
Er nutzt die Einkaufsfinanzierung sehr gezielt und bewertet sie als überlebenswichtig – nicht im Tagesgeschäft, aber als flexibel einsetzbarer Joker in kritischen Phasen.
Factoring ersetzt Finetrading zunehmend
Gerade moderne Factoringanbieter bieten heute mehr als nur den klassischen Forderungsverkauf. Immer öfter werden auch Anzahlungsrechnungen ins Factoring übernommen – sofern der Vertragspartner solvent ist, eine schlüssige Prozessdokumentation und eine Warenlieferung zur Erfüllung des Auftrags vorliegt. Damit lassen sich Projektanläufe günstiger und schneller finanzieren als über eine separate Einkaufsfinanzierungslinie.
Das Resultat: Wer mit dem richtigen Factor zusammenarbeitet, braucht Finetrading oft gar nicht mehr.
Kundenstimmen
„Früher war die Einkaufsfinanzierung für uns unverzichtbar. Heute sparen wir durch Factoring bei jeder Anzahlung bares Geld.“
– H. Weber, Geschäftsführer eines SHK-Fachbetriebs (4,2 Mio. € Umsatz)
„Unsere Bank ist schnell am Limit – aber mit der Einkaufsfinanzierung konnten wir auch größere Projekte zusagen, die wir sonst ablehnen müssten.“
– R. Schneider, Inhaber eines Maschinenbauunternehmens (2,8 Mio. € Umsatz)
FAQ – Einkaufsfinanzierung oder Factoring?
- Wann lohnt sich Einkaufsfinanzierung im Handwerk?
Vor allem dann, wenn kurzfristig große Materialvolumen nötig sind und andere Finanzierungswege (z. B. Kontokorrent) ausgeschöpft sind. - Was kostet eine Einkaufsfinanzierung?
Die Kosten sind grundsätzlich höher als bei Bankkrediten oder Factoring. Zinssätze von 10–18 % p.a. sind keine Seltenheit. - Kann ich auch Anzahlungsrechnungen finanzieren?
Ja – einige Factoringanbieter übernehmen auch Anzahlungsrechnungen für projektbezogene Einkäufe. Das kann die Einkaufsfinanzierung überflüssig machen. - Wie unterscheidet sich Factoring von Finetrading?
Factoring bezieht sich auf den Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Finetrading auf die Vorfinanzierung des Wareneinkaufs. Beim factoring entscheidet das Rückversicherungslimit des Debitors über den Ankauf der Rechnung, beim Finetrading (Einkaufsfinanzierung) entscheidet das Rückversicherungslimit des Unternehmers über das Finanzierungslimit. - Welche Bonitätsanforderungen gelten?
Beide Modelle erfordern eine stabile Bonität. Bei der Einkaufsfinanzierung muss zusätzlich ein Rückversicherungslimit bei einem Kreditversicherer über die gewünschte Höhe der Finanzierungslinie bestehen.
